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Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften

European Social Survey


- Ziel und Organisation der Erhebung. Der European Social Survey (ESS) ist eine grosse Erhebung, die seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt wird. Das Ziel ist, statistische Daten zur Entwicklung und zur Veränderung der Werte, Haltungen und Einstellungen der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in verschiedenen europäischen Ländern zu erhalten. Sie wird gleichzeitig in rund 30 Ländern durchgeführt. Die Umfrage gewann 2005 den renommierten ‚Prix Descartes‘, der herausragende Leistungen im Bereich der Wissenschaft auszeichnet.

Der ESS wurde von der Europäischen Wissenschaftsstiftung initiiert und wird vom Centre for Comparative Social Surveys der City University in London europaweit koordiniert. Prof. Max Kaase steht dem wissenschaftlichen Beirat vor. Ein zentrales Koordinations-Team (Core Scientific Team) ist verantwortlich für die Wahl und Bestimmung der Methode und der Themen, die Ausarbeitung des englischen Fragebogens und die Archivierung der Daten. Das Team wurde bis zu seinem Hinschied von Sir Roger Jowell geleitet; seit Januar 2012 hat Rory Fitzgerald die Leitung inne. Es wird ergänzt durch Spezialisten von verschiedenen Partnerinstitutionen:

  • Leibniz Institute for the Social Sciences (GESIS), Deutschland
  • Norwegian Social Science Data Services (NSD), Norwegen
  • Katholieke Universiteit Leuven, Belgien
  • Social and Cultural Planning Office (SCP), Niederlande
  • ESADE, Universitat Ramon Llull, Spanien
  • University of Ljubljana, Slowenien

Jedes teilnehmende Land führt die Erhebung gemäss der durch die ESS-Zentrale etablierten methodischen Standards auf seinem Gebiet durch. Prof. Peter Farago vertritt die Schweiz im wissenschaftlichen Beirat und FORS ist für die Durchführung der Erhebung verantwortlich.

Die Organisation des Projekts, die Entwicklung des Fragebogens sowie die Archivierung der Daten wird von der Europäischen Kommission und der Europäischen Wissenschaftsstiftung finanziert. Die verschiedenen nationalen Organismen, die wissenschaftliche Forschung unterstützen, tragen finanziell die Durchführung der Erhebung im jeweiligen Land. In der Schweiz wird die Erhebung vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert.

Unter der Leitung von Dr. Michèle Ernst Staehli koordiniert FORS die Übersetzung des englischen Originalfragebogens in die drei nationalen Sprachen (deutsch, französisch und italienisch), die Ziehung der Stichprobe der in der Schweiz befragten Personen, die praktische Durchführung der Erhebung sowie die Aufbereitung und die Dokumentation der Daten.


- Methodisches Vorgehen. Die ESS Erhebung zeichnet sich durch eine rigoros wissenschaftliche Vorgehensweise und hohe methodologische Ansprüche aus. Drei Aspekte stehen dabei im Vordergrund. Der Erstellungsablauf des Basis-Fragebogens muss vollständig kontrolliert sein, damit die Resultate verschiedener Länder verglichen werden können. Die Fragen werden in mehreren Ländern getestet. Viel Wert wird auf die Qualität der Übersetzungen gelegt. ESS verfügt über sein eigenes Team von Übersetzern, welche die Richtlinien bestimmen. Das Übersetzungsprotokoll wird TRAPD (Translation, Review, Adjudication, Pre-testing and Documentation) genannt.

Regionale oder internationale Ereignisse können die Einstellungen und das Verhalten der Befragten stark beeinflussen. Ein Terrorakt oder eine Wirtschaftskrise wirken sich demzufolge auf die Antworten aus. Aus diesem Grund dokumentiert ESS stark mediatisierte Ereignisse während des Ablaufs der Erhebung, damit den Forschenden, die mit den Daten arbeiten werden, genauere Angaben zum nationalen Kontext zur Verfügung stehen.

Die Qualität von Umfragen hängt sehr stark von der realisierten Stichprobe ab. Die zentrale Koordinations-Equipe des ESS wird aus diesem Grunde durch ein Team von Spezialisten im Bereich der Stichprobenziehung ergänzt, welches die nationale Stichprobenziehung betreut und kontrolliert. Damit die Stichprobe möglichst repräsentativ ausfällt, verbietet das Protokoll Quotenstichproben. Das methodische Vorgehen wird zudem laufend verbessert, um eine möglichst hohe Rücklaufquote zu erhalten. Dazu zählen unter anderem intensive Interviewerschulungen. Seit der dritten ESS-Runde wurde in der Schweiz eine Rücklaufquote von 50% erreicht, was für Schweizer Verhältnisse ein ausgezeichnetes Resultat darstellt. Das Interview wird face-to-face durchgeführt und dauert etwas mehr als eine Stunde. Die Anzahl der von den InterviewerInnen durchgeführten Interviews wurde ebenfalls begrenzt, um die Qualität der erhobenen Daten zu garantieren.

Synoptische Tabelle über die Methodologie des European Social Survey

Grundgesamtheit in der Schweiz lebende Personen, die älter als 15 Jahre sind
Befragte Personen Zufallsstichprobe, mindestens 1500 Befragte
Erhebungsmodus Interviews face-to-face, CAPI, durch beauftragtes Umfrageinstitut
Stichprobenbildung 2002-2004: Stichprobenbildung auf drei Ebenen:
- Stichprobe von Postleitzahlen, verteilt auf die Grossregionen der Schweiz
- Stichprobe einer bestimmten Anzahl Haushalte zu jeder ausgewählten Postleitzahl
- Zufällige Bestimmung einer Person in jedem Haushalt

2006-2008 : Stichprobenbildung auf zwei Ebenen:
- Stichprobe einer bestimmten Anzahl Haushalte in allen Grossregionen der Schweiz (nationale Telefon- und Adressdatenbank)
- Zufällige Bestimmung einer Person in jedem Haushalt oder jeder Adresse

Ab 2010 : Stichprobenbildung auf einer Ebene:
- Die ESS wird als Erhebung von nationaler Bedeutung anerkannt und vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Deshalb kann die Stichprobe der Zielpersonen aus dem Stichprobenregister des Bundesamtes für Statistik gezogen werden, gemäss Verordnung über die Durchführung von statistischen Erhebungen des Bundes vom 30. Juni 1993, Art. 13c, Abs.2, Bst. d.


- Thematischer Inhalt. Der Fragebogen ist in zwei Teile aufgegliedert: ein zentraler Kern, der von Erhebung zu Erhebung unverändert bleibt und ein zweiter variabler Teil, der zwei oder mehrere Module zu bestimmten Themen beinhaltet, welche periodisch wieder aufgegriffen werden. Das zentrale Modul hat zum Ziel, die Evolution einer breiten Palette von sozialen Indikatoren aufzuzeigen. Diese Indikatoren beziehen sich hauptsächlich auf die Nutzung der Medien, das Mass an Vertrauen gegenüber dem sozialen Umfeld, die Beziehung zur Politik (Partizipation, Einschätzung der Institutionen), das subjektive Wohlergehen, das Empfinden gegenüber Diskriminitation, die Einstellung gegenüber Ausschluss sowie die nationale, ethnische und religiöse Identität. Das zentrale Modul beinhaltet ebenfalls einen Teil, der das sozio-demographische Profil der Befragten betrifft. Die spezifischen Themen des ESS variieren von Ausgabe zu Ausgabe.

Synoptische Tabelle der Module des European Social Survey

Jahr Zentrale Module Variable Module Zusatzmodule
2002 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Einstellungen zu Immigration und Asylwesen

E Soziale Partizipation (Vereine, Organisationen, Arbeitsumfeld, Familie, Freundeskreis)

G Werte

Testfragen

2004 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Medizin, Gesundheit, Wohlbefinden

E Moralvorstellungen im Bereich Wirtschaft

G Verhältnis Familie und Arbeit

H Werte

Testfragen

2006 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Vorstellungen zu verschiedenen Lebensetappen

E Subjektives Wohlbefinden und Gesundheit

G Werte

Testfragen

2008 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Einschätzung von Politikfeldern (Sozialhilfe, Solidarität, Wohlfahrtsstaat)

E Einstellungen zu verschiedenen Altersgruppen

G Werte

Testfragen

2010 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Polizei und Justiz

G Verhältnis Familie und Arbeit

H Werte

Testfragen

2012 A Medien, soziales Vertrauen

B Politik

C Subjektives Wohlgefühl, sozialer Ausschluss, Religion

F Demographie

D Soziales und persönliches Wohlbefinden

E Einschätzung der Demokratie

G Werte

Testfragen


- Die Daten. Die anonymisierten Daten der ESS Umfrage stehen auf der ESS Webseite zur Verfügung. Forschende, Studierende und in der Verwaltung arbeitende WissenschaftlerInnen können diese nach obligatorischer Anmeldung kostenlos als SAS- oder SPSS-Datei herunterladen. Die ESS Daten der Schweiz sind ebenfalls via den FORS Nesstar Server zugänglich. Nur hier besteht Zugang zu diesen für die Schweiz spezifischen Fragen. Auf dem Nesstar Server befinden sich zudem wichtige Informationen zur Studie, zu den Daten, Variablen und dem Antwortverhalten (Häufigkeiten). Während dieser Server einen limitierten Datensatz zur Verfügung stellt, kann der komplette Datensatz beim FORS Archiv DARIS angefragt werden.

Es wird von den Forschenden verlangt, die Nutzungsbedingungen einzuhalten, insbesondere die korrekte Zitierung in Veröffentlichungen.

Für vergleichende Studien wird am besten der Datensatz mit den Daten aller teilnehmenden Länder benutzt. Für Auswertungen, die sich nur auf ein Land beschränken, kann auch der Datensatz des entsprechenden Landes, z.B. der Schweiz, angewendet werden. Ein Vergleich zwischen Daten der verschiedenen Runden ist natürlich auch möglich. Es ist wichtig, mit der Gewichtung korrekt umzugehen. Zwischen 2002 und 2008 fand die Auswahl der Zielpersonen auf Haushaltsebene statt, was eine Designgewichtung für diese Jahrgänge erforderlich macht.

Wir möchten darauf hinweisen, dass alle Veröffentlichungen, die sich auf diese Daten beziehen, dem norwegischen Archiv NSD mitgeteilt werden müssen.


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